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Bündnis 90 / Die Grünen Linnich 
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Windkraft Boslar - Zu kurz gedacht, Herr Claßen?

Zum Leserbrief von Heinz-Peter Claßen, JN 20.5.2015, mit dem inhärenten Vorwurf, mir, Christoph Barzen, sei nur der Tierschutz wichtig, deshalb meine Ablehnung einer weiteren Hähnchenmasthalle, aber bei der Planung von Windkraftzonen spielten die Anliegen der Menschen für mich keine Rolle, möchte ich wie folgt Stellung nehmen:

Natürlich ist der Schutz der Tiere vor tierquälerischer Mästung in Massentierhaltungen für mich als Grünen ein wichtiges Anliegen. Aber wenn man weiß, dass diese Tierhaltungsformen mit häufigem Einsatz von Antibiotika mitverantwortlich sind für die Ausbreitung multiresistenter Keime, die nach offiziellen Angaben jährlich bis zu 15000 Menschen das Leben kosten, könnte man erkennen, dass es bei der Ablehnung von Intensivtierhaltung ganz besonders auch um Menschenschutz geht. Multiresistente Keime findet man immer wieder nicht nur auf dem küchenfertigen Geflügel, sondern auch in der Umgebung der Mastanlagen, wohin die Keime über die Abluft der Ställe gelangen können.

Und die Windkraft? Auch wenn die Energiewende derzeit kaum voran kommt, nutzt die Stromerzeugung mittels Windkraftanlagen grundsätzlich den Menschen: Sie trägt dazu bei, dass in Zukunft bei der Stromproduktion die Umweltbelastung durch CO2 – Ausstoß verringert werden kann, dass weniger gesundheitsgefährdender Feinstaub entsteht, dass kein Grundwasser mehr vernichtet werden muss, dass Häuser, Straßen und Kanäle nicht absacken, dass Menschen in ihrer Heimat bleiben können und Atomkraftwerke mit ihrem Risiko radioaktiver Verseuchung ganzer Regionen abgeschaltet werden können. Diese positiven Effekte treten natürlich nicht alle sofort ein, aber es geht nach meiner Meinung kein Weg daran vorbei, umweltschonende Stromerzeugung zu fördern und geeignete Standorte, wo Menschen damit leben können und sich millionenteure Windkraftanlagen rechnen, zu nutzen.

Wer das als Wahnsinn und Pest bezeichnet, ohne bisher für solch starke Worte belastbare Beweise bringen zu können, sollte vielleicht mal 'ne Ecke weiter denken oder sich gleich als Nimby outen (Nimby steht für “Not in my back yard” und bezeichnet eine Geisteshaltung, die man mit “Natürlich bin ich für…aber doch nicht in meiner Nähe”).

Und selbstverständlich ist - das muss man für die Windkraftgegner wohl ausdrücklich betonen -, dass alle Stadtverordneten und Ausschussmitglieder meiner Fraktion nach der Offenlage der Planung zur Windkraftzone Boslar vor den abschließenden Beschlüssen die Einwendungen und Bedenken der Bürgerinnen und Bürger und die Abwägungsvorschläge der Verwaltung sorgfältig prüfen und dann verantwortungsbewusst entscheiden werden.

Christoph Barzen, 25.5.2015